Festlich dinieren, wo sonst Rockbands lärmen
Milde Sorte sorgt für kulinarische Erlebnisse mit Überraschungsmenüs in außergewöhnlichem SpeisesaalVon Max Blosche, dpa, Januar 2007
Wiesbaden (dpa) – Wilde Konzerte und ekstatische Discos serviert das Kulturzentrum Schlachthof in der Nähe des Wiesbadener Hauptbahnhofs normalerweise seinen rund 150.000 Besuchern im Jahr. Einmal im Monat verwandelt sich die große Halle für einen Abend in den wohl außergewöhnlichsten Speisesaal des Rhein-Main-Gebiets. Rund hundert Gäste genießen dann ein Vier-Gang-Menü in einzigartiger Atmosphäre.
Milde Sorte nennt sich die Veranstaltungsreihe, die seit nunmehr fünf Jahren ein kulinarischer Selbstläufer ist. Obwohl die Gäste vorher nicht einmal wissen, was sie aufgetischt bekommen, ist der Abend meistens ausgebucht. Wo sonst vor allem Teens und Twens dichtgedrängt ihre Lieblingsbands bejubeln oder bis ins Morgengrauen zu lauter Musik abtanzen, nehmen an jedem ersten Dienstag eines Monats unterschiedlichste Gäste in gespannter Erwartung ihre Plätze an den eingedeckten Tischen ein. Junge Pärchen, Ehepaare mittleren Alters, Geschäftsleute und Familien trudeln ein. Am DJ-Pult sorgt bereits Falk Fatal, sonst auch Sänger einer Punkband, für dezente jazzige Klänge. Während Christoph Holderrieth die Gäste begrüßt, ist Marc Stöver in der Küche längst ganz auf die Vorspeise, <>, konzentriert. Holderrieth und Stöver sind <> und mit ihrem im Schlachthof ansässigen Catering-Unternehmen die Macher von <>.
Die Erfolgsstory startete im März 2002 mit der Idee, Essen und Disco zu kombinieren. <>, erklärt Hendrik Seipel-Rotter vom Schlachthof. Hofkoch Holderrieth berichtet, wie schnell die Nachfrage anstieg: <> Die Hofköche freuen sich über den hohen Anteil an Stammgästen, wollen aber auch immer wieder neue Besucher in ihr temporäres Restaurant locken. Die 27-jährige Beate Schywalski hat seit eineinhalb Jahren keine <> ausgelassen: <> Der Arzthelferin gefällt die <>. Dass sie sich mit der Reservierung lange im voraus festlegen muss, stört sie, aber sie hat Verständis dafür. Sie weiß, dass nur so der günstige Preis – 21 Euro für das Menü – möglich ist. <>, erklärt Holderrieth.
Wolfi Klein, bekannter Gastronom im benachbarten Mainz, wechselt für die > gerne regelmäßig die Rheinseite, <> Auch der DJ ist nach seinem Geschmack: <> Die Wiesbadenerin Mirjam Torres ist zum ersten Mal dabei und ebenfalls begeistert. Nur der Qualm der Tischnachbarn trübt ihren Genuss etwas. Wenn sie wiederkommt, was sie auf jeden Fall vorhat, würde sie sich über Nichtrauchertische freuen.
Dass neben regelmäßigen Schlachthof-Gängern <>, wie Seipel-Rotter erklärt, kann Holderrieth bestätigen: <> Sein kulinarisches Rezept, <> zu servieren, geht auf. Statements wie <>, <> und <> sind zu hören, als die ebenso höflichen und aufmerksamen wie lockeren Kellner nach der Salatkreation im Lauf des gut dreistündigen Abends <>, <> und <> servieren. <> kommt ohne das Tam Tam derzeit angesagter Dinner-Spektakel-Shows aus und erobert Gaumen und Herzen der Besucher mit besonderem, aber nicht überkandideltem Essen in festlicher, aber nicht steifer Atmosphäre an einem Ort, an dem man eine solche Veranstaltung nie vermuten würde.
Man spürt den Spaß und die Leidenschaft, den auch die Macher selbst haben. Für Holderrieth ist das spontane Kreieren des Überraschungsmenüs auch immer eine willkommene Abwechslung zum Caterer-Alltag: <> Insgesamt 220 Gänge haben die Hofköche, auf deren Referenzliste namhafte Firmen, Hessische Staatskanzlei oder IHK ebenso stehen wie Filmfestivals und Privatleute, bisher im Schlachthof serviert: <> Die Hofköche freuen sich über die Offenheit ihrer Gäste. Beschwerden gibt es kaum. <>, lacht Holderrieth, der ein besonderes Faible für ausgefallene Kombinationen hat. Als das Dessert verspeist ist, macht eine Dame am Nachbartisch den Veranstaltern das vielleicht schönste Kompliment: <>
